Nach Rauchen, Alkohol und Fett ist nun auch das Lachen auf die Abschussliste
von Gesundheitspolizisten geraten. Los ging es mit einer Klage in den
USA, bei der die Produzenten von Comedy Shows auf 111 Milliarden Dollar
Schadensersatz verklagt wurden. Ihre Sendungen hätten zu Verspannungen
des Zwerchfells, zu Lachfalten und in nicht wenigen Fällen sogar
dazu geführt, dass sich Zuschauer zu Tode gelacht hätten.
Und damit nicht genug. Das Weitererzählen von Witzen bei Autofahrten
und am Arbeitsplatz könne Unfälle provozieren, und allein
schon der schiere Zeitverlust durch Lachen führe zu einem unabsehbaren
Schaden für die Volkswirtschaft, wozu dann noch die immensen Kosten
durch Passivlachen kämen.
Die Klage hat prominente Unterstützer wie den Ex-Vizepräsidenten
Al Gore mit seiner Organisation "No Laughing Matter, Inc.".
Einer der stärksten Kritikpunkte der Anti-Lacher ist dabei, dass
Comedy Shows bereits Kinder und Jugendliche an das Lachen heranführen.
Deshalb sollen als erstes lachgefährliche Produkte auf freiwilliger
Basis von der Industrie gekennzeichnet werden, wenn diese staatliche
Sanktionen vermeiden will. Musik-CDs würden in Zukunft dann Aufkleber
tragen wie "Parental Advisory: Contains Funny Lyrics", während
Videos mit einem großen "L" zu versehen wären sowie
mit abschreckenden Bildern von Langzeitlachern.
Nun schwappt die Welle von Amerika auch zu uns herüber. Unter der
Schirmherrschaft von Peter Scholl-Latour hat sich hierzulande eine "Anti-Spaß-Guerilla"
formiert, die, wie es in einem ihrer ersten Flugblätter heißt
"ernst machen will mit lachbefreiten Zonen". Ziel ist hierbei
eine allgemeine Lachsperre außer in Kellerräumen.
Der "deutsche Weg" zur Humorbekämpfung setzt überhaupt
weit stärker auf Regulierungen und Verbote. So soll etwa ein zentrales
Register aller noch zugelassenen Witze in Emden, Ostfriesland, eingerichtet
oder die Satirekennzeichnung bundeseinheitlich geregelt werden. Die
Grundlage bildet wie immer das Grundgesetz, das schließlich Humor
nicht ausdrücklich erlaubt. Freuen wir uns also, denn schon bald
könnte der Slogan der Humorlosen auch bei uns Wirklichkeit werden:
"Die Lage war noch nie so ernst."