Den Wald habe ich immer gehasst. Den aufdringlichen Harzgeruch, der einem die Sinne vernebelte, die Tannennadeln, die einem unters Hemd krochen, die blutsaugenden Zecken, die in blöder Brunft röhrenden Hirsche, die nicht zufällig das beliebteste Symbol für deutschen Kitsch abgeben, die Jäger, die von ihren Hochsitzen aus auf friedliche Wanderer schossen schon als Kind habe ich nicht begriffen, warum meine Eltern mich Sonntag für Sonntag durch die grüne Hölle schleiften, auch wenn ich gar nichts angestellt hatte. Als Kind vom Niederrhein legte ich Wert auf einen weiten, unverstellten Blick bis zum Horizont dabei wurde auch das Denken offener. Der Großteil des deutschen Den-kens dagegen schien mir seinen Ursprung im deutschen Wald zu haben, wo man vor lauter raunenden Tannen nur noch ein kleines Stück bestirnten Himmels über sich entdecken kann. Das einzige, was mich damals die Waldspaziergänge ertragen ließ, war die Hoffnung auf die Erfüllung eben jener alten Prophezeiung des Abtes von Aldersbach, einem geistigen Nachfahren des Nostradamus, der bereits im 18. Jahrhundert beim Blick in seine Kristallkugel vom Waldsterben gesprochen hatte. Und jetzt, in diesen 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, sollte sich nun endlich diese Prophezeiung erfüllen. Einige nannten 1985, andere 1990 als den Zeitpunkt der Befreiung des deutschen Volkes vom Walde. Ganz pessimistische Zeitgenossen sahen das Ende des Waldes erst um die Jahrtausendwende kommen, alle Medien und Experten aber waren sich einig: Der Wald stirbt unaufhaltsam, mit historischer Notwendigkeit. Später habe ich mich dann auch aktiv gegen den Wald engagiert. Nicht, dass ich das notwendige Kommen einer waldfreien Gesellschaft bezweifelt hätte jeder Zapfen fällt einmal vom Stamm , aber man konnte durchaus etwas tun, um diese notwendige Entwicklung zu beschleunigen. So war ich etwa in der Aktion Rob the Wood waldfreier Widerstand aktiv. Aus Solidarität mit den Yanomami unterstützte ich McDonalds, damit auch diese indigenen Völker vom Wald befreit wurden. Und jetzt? Was dauert denn da so lange? Wohin man auch schaut, kotzt einen die grüne Lunge an. Die alten Kämpfer haben sich verkrochen, sitzen im Vorstand von Greenpeace oder haben gutdotierte Jobs beim Wuppertal-Institut und wollen von ihrer Vergangenheit nichts mehr wissen. Allenfalls schreiben sie noch futuristische Gedichte und betrauern rührselig den Verlust der autogerechten Innenstädte. Das muss sich ändern! Deswegen mein Aufruf an alle, die sich mit dem Ausgeliefertsein an das globale Wäldernetzwerk nicht abfinden wollen: Treten wir in den aktiven Widerstand gegen die Zerstörung unserer Umwelt durch Flora und Fauna! Gründen wir AFFAC (Anti-Forst-und-Flur-Aktion) und machen wir den Wald endlich platt!
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