IMPRESSUM
Was
ist der VORSPIEGEL?
Der aufmerksame Leser hat es bestimmt schon gemerkt: Die
Nachrichten des VORSPIEGELs
stammen aus der Zukunft. Doch wie ist das möglich?
Erlauben sich unsere Redakteure da etwa einen Scherz?
Nein, ganz so einfach ist es nicht. Einige von Ihnen erinnern
sich bestimmt noch an die Raumsonde, welche auf dem Saturn-Mond
Titan gelandet ist. Diese Sonde empfängt Signale,
die unschwer als Ultrabytes erkennbar sind. Ultrabytes
sind sozusagen elektronischer Abfall, der stets entsteht,
wenn digitale Daten mit Lichtgeschwindigkeit zum Beispiel
durch Glasfasernetze gejagt werden.
Bislang
ging man davon aus, dass Ultrabytes zusammenhanglos in
den Tiefen des Alls herumirren. Doch offenbar gibt es
Kristallisationspunkte, etwa in der Nähe von starken
Magnetfeldern, in denen sich die Ultrabytes wieder in
ihrem Urkontext bündeln können. Durch die Weltraumkrümmung
jedoch entstehen Zeitdifferenzen, so dass ein möglicher
Ultrabyte-Receiver die Informationsbündel entweder
vor- oder nachzeitig empfängt, nie jedoch zeitgleich.
Da Ultrabytes erst im Zeitalter der digitalen Kommunikation
entstanden sind, kann man derart aufbereitete Byte-Cluster
aus der Vergangenheit nicht erwarten, wohl jedoch aus
der Zukunft, zumindest solange die Menschheit ihren Datenmüll
ungeschützt ins Weltall entlässt.
Unsere
IT-Abteilung hat nun erstmals einen Ultrabyte-Receiver
konstruiert, mit dem sich die von der Raumsonde auf dem
Titan empfangenen Signale bündeln und redigitalisieren
lassen. Doch leider kommen die Signale erstens unregelmäßig,
zweitens unvollständig und drittens nicht in chronologischer
Reihenfolge an. Wir von der Gustloff-Redaktion
müssen die Daten also aufbereiten und präsentieren
sie unseren Lesern in Form des "VORSPIEGELs"
und zwar in der Reihenfolge des Signaleingangs.
Es kann also passieren, dass wir heute einen Nachrichtenblock
aus dem Jahre 2014 bekommen, morgen jedoch schon aus dem
Jahr 2009 und beim nächsten Mal von 2026. Als verantwortungsbewusstes
Magazin sehen wir uns auch in der Pflicht, solche Informationen
herauszufiltern, welche den einen oder anderen Zeitgenossen
zu einem fatalistischen Verhalten verleiten und dessen
Zeitpräferenzrate erhöhen könnten. Im Gegenteil
bemühen wir uns, vor allem positive Nachrichten zu
bringen, um den Menschen heute Mut und Freude an der Zukunft
zu bescheren.
Sollten
wir jedoch einmal einschlägige Informationen von
morgen oder übermorgen bekommen, die uns ein Alleinstellungsmerkmal
bei der Voraussage von Fußballspielen oder Börsenkursen
bescheren, werden wir uns erst einmal eine lange Auszeit
nehmen - auf Hawaii, Costa Rica oder Ibiza. Denn schließlich
sind wir ja im dreifachen Wortsinne ein "vor-läufiges"
Satiremagazin.