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Lasst
tausend Ämter blühen!
Die
wenigsten von uns hatten wohl bis vor kurzem etwas von einem "Arbeitsamt"
gehört, bis dessen Arbeit wegen einiger Unregelmäßigkeiten
in die Kritik geriet. Dabei gibt es noch viel mehr staatliche Einrichtungen,
die fernab der Öffentlichkeit unermüdlich für das Gemeinwohl
arbeiten.
So bemühen sich etwa die föderal gegliederten Landeskochstudios,
das Niveau in deutschen Küchen zu heben. Unterstützt werden
sie dabei von der Bundesstiftung Kochen, die die besten kulinarischen
Leistungen des privaten Sektors mit ihrer Gulaschkanone in Gold und Silber
auszeichnet.
Das Bundesaufsichtsamt für die Modeindustrie (BAMod) achtet darauf,
dass Modeschöpfer sich nicht durch zu gewagte Kreationen ruinieren.
Die Kunden werden ihrerseits überwacht von der Bundesprüfstelle
für modischen Geschmack, welche sich beispielsweise durch die Festlegung
der amtlichen Modefarben ein gewisses Ansehen erworben hat.
Überhaupt ist die Gestaltung des Privatlebens eine der originären
Aufgaben des modernen Staates. Hier wirkt auch die Bundeszentrale für
Freizeitgestaltung. Mit kostenlosen Faltblättern wie "Ich mach
Hula Hoop. Na und?" oder "Aerobic - das ist der neuste Trick!"
sucht sie den Deutschen die aktuellen Trendsportarten ans Herz zu legen.
Ganz neue Wege beschreitet hingegen die GEZ mit einem hauseigenen Geheimdienst,
der unter der Losung "Feind schaut mit" neue Gebührenzahler
sucht. Etwas unglücklich ist dabei bloß der Name "GEZapo"
geraten. Aber auch wer immer brav seine Fernsehgebühren bezahlt,
sollte sich nicht zu sicher fühlen. So verlangt etwa die Regulierungsbehörde
für die deutsche Sprache von jedem einen Obolus, der deutsch spricht.
Schließlich sei nur durch ihre Arbeit die sprachliche Grundversorgung
gewährleistet.
Leider bahnt sich auch schon ein neuer "Skandal" an. So hat
die Bundesanstalt für Partnervermittlung jahrelang ihre Zahlen geschönt.
Schon wer in derselben Schlange stand, wurde als vermittelt gezählt.
Und die Standesämter halfen kräftig mit, indem sie Heiratswillige
zu einem Beratungsgespräch verpflichteten. Doch Besserung ist nun
in Sicht: der Kanzler hat die zwischenmenschlichen Beziehungen zur Chefsache
erklärt.
HENNING HELMHUSEN
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