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Dafür
muß sich die Queen auch noch entschuldigen
Es
gibt einfach Ideen, die liegen in der Luft. Das mußten wir in diesen
Tagen wieder einmal zu unserem Bedauern feststellen. Denn kaum hatten
wir uns daran gemacht, einen Bußkatalog für den Deuschlandbesuch
der englischen Königin zusammenzustellen, da schnappte uns die BILD-Zeitung
schon einen der wichtigsten Punkte weg: Die Queen möge sich gefälligst
für die Bombardierung von Dresden entschuldigen.
Natürlich halten wir den Abwurf von Bomben auf das Elbflorenz sowohl
für ein wenig überzogen als auch für kein Kavaliersdelikt.
Aber ein gewisses Verständnis ging uns trotzdem nicht ab, daß
die englische Königin gelegentlich einen Bomber bestieg und so in
ihr im Hofzeremoniell erstarrtes Leben ein wenig Abenteuer bringen wollte.
Und dann war es ja wirklich nicht der größte Faux-Pas, den
wir der Queen vorhalten müssen.
Um nun nicht schon wieder das Nachsehen gegenüber unseren realsatirischen
Kollegen von der BILD-Zeitung zu haben und uns ein für allemal die
geistige Priorität zu sichern, möchten wir an dieser Stelle
endlich die wirklich schwelenden Punkte ansprechen, die das Verhältnis
zwischen unseren Völkern so heikel gestalten. Wir tun dies in der
uns eigenen bescheidenen Art und präsentieren eine Liste ultimativer
Forderungen:
Entschuldigung Nr.1. Mrs. Queen, please say sorry for English
cooking!
Wenn etwas die Verständigung zwischen dem englischen und deutschen
Volk belastet, dann ist es die tiefe Kluft zwischen der hochentwickelten
deutschen Küche, die mit kulinarischen Errungenschaften wie Harzer
Roller, Blutwurst und rheinischem Sauerbraten aufwartet, und den Perversionen
Ihres Landes, von denen wir nur die Lammkeule in Pfefferminzsauce oder
die in Essig getränkten Pommes Frites nennen möchten.
Eure Majestät, sprechen Sie hier ein klärendes Wort, denn auch
die Liebe der Völker geht durch den Magen!
Entschuldigung Nr.2: Mrs. Queen, please say sorry for unfair football!
Wir Deutschen sind tolerant. Das beweisen beispielsweise Legionen von
kleinen Kevins, die von ihren Eltern nach dem britischen Fußballer
Keegan benannt wurden, und die sich, nun in die Pubertät gekommen,
mit großer Ungezwungenheit die Fingernägel wie David Beckham
lackieren. Von britischer Seite schlägt unseren Fußballern
hingegen nur blanke Verachtung entgegen, wie der in Deutschland sehr geschätzte
Berti Vogts unlängst erleben mußte.
Eure Majestät, wenden Sie sich schleunigst gegen derartige Entgleisungen.
Und geben Sie insbesondere zu, daß das Wembley-Tor im Jahre 1966
eine Farce war!
Entschuldigung Nr.3: Mrs. Queen, please say sorry for fashion
atrocities!
Mit Claudia Schiffer und Karl Lagerfeld kämpfen wir Deutschen an
der vordersten Front für eine modische Welt. Ohne uns hätten
die Italiener nie das harmonische Wechselspiel von weißen Tennissocken
und bequemen Sandalen kennengelernt. Ganz anders sieht es da mit Ihrem
Land aus. Und auch wenn wir Sie nicht persönlich angreifen wollen,
können wir nicht umhin, Sie zu fragen: Wie kann es angehen, daß
Sie unsere Jugend mit peinlichen Hüten und großmütterlichen
Handtaschen auf Abwege führen?
Eure Majestät, sprechen Sie hier umgehend ein dezidiertes Fashion
Statement, damit solche Verwüstungen der Augenweide in Zukunft unterbleiben.
Entschuldigung Nr.4: Mrs. Queen, please say sorry for the worst
pop songs ever!
Wir Deutschen sind nicht dumm. Deshalb konnten Sie uns auch nicht mit
ein paar Kniffen täuschen, die mittlerweile jedes drittklassige Provinztheater
beherrscht. Selbstverständlich vermutet niemand eine Dame Ihren Ranges
hinter einem Schnurrbart. Aber wenn Sie unter dem verräterischen
Namen "Queen" antreten, dürfen Sie sich wirklich nicht
wundern, daß wir hinter der Maske eines Freddy Mercury die englische
Königin erkannt haben, die uns den Nerv mit Liedern wie "Bohemian
Rhapsody" oder "We are the Champions" getötet hat.
Eure Majestät, hören Sie ohne Umschweife auf zu singen und überlassen
Sie einem Volk das Feld, das Meister wie Olli P. und Rex Guildo hervorbringen
konnte!
Wir glauben nicht unmäßig in unseren Forderungen zu sein und
möchten deshalb betonen, daß, so Sie denn diese vier Entschuldigungen
über Ihre Lippen bringen, einem gedeihlichen Zusammenwirken unserer
beiden Völkern nichts mehr im Wege steht. Wenn Ihr Staatsbesuch nichts
weiter leisten sollte, dann wäre er ein großer Erfolg.
In diesem Sinne: Es lebe die deutsch-englische Freundschaft!
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