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Kapitalismus
am Ende
Seit
dem Untergang des realen Sozialismus verstummen die Klagen nicht, nun
ohne eine Alternative habe der entfesselte Kapitalismus schließlich
freie Bahn. Doch das stimmt nicht. Es gibt eine Konkurrenz, und sogar
eine sehr harte: den irrealen Sozialismus. Oder griffiger: den "deutschen
Weg".
Alles begann damit, dass die öffentlich-rechtlichen Sender etwas
zuwege brachten, was nach der reinen Lehre der Marktjünger gar nicht
sein durfte: kostenlose Programme, die für alle passten. Auch der
nächste Schritt war noch unscheinbar: Jeder Bürger musste ab
nun an die GEZ einen weiteren Obolus bezahlen, von dem öffentlich-rechtliche
Discotheken, "Tanzanstalten", eingerichtet wurden. Um Ungerechtigkeiten
zu vermeiden, konnte sich jeder von der Gebühr befreien lassen, der
nachweislich keine Tanzutensilien, wie beispielsweise Schuhe, bereithielt.
In den kostenlosen Tanzanstalten gab es ganz im Sinne der Grundversorgung
ein buntes Programm für alle Geschmäcker und Altersklassen.
Swing wechselte sich mit Neuer Musik, Death Metal mit Volksmusik und Bhangra
mit Walzer, House und Free Jazz ab. Um der Abwanderung zu privaten Discotheken
entgegenzusteuern, wurden diesen vergleichbare Auflagen gemacht.
Als dann auffiel, dass die Versorgung mit Lebensmitteln über Jahrzehnte
in der Hand gewissenloser Geschäftemacher gelegen hatte, schlug die
große Stunde. Allenthalben schossen öffentlich-rechtliche Supermärkte
aus dem Boden. Gegen eine Lebensmittelbenutzungsgebühr - Hungerstreikende
und Magersüchtige waren natürlich ausgenommen - erhielt jeder
kostenlos einen standardisierten Warenkorb angeliefert. Über die
Ausgewogenheit wachten dabei Landesernährungsanstalten, ihrerseits
kontrolliert von Gremien, denen alle gesellschaftlichen Gruppen von den
Kirchen bis zu den Gewerkschaften angehörten.
Seitdem ist der "deutsche Weg" zu einer wahren Autobahn herangewachsen:
Öffentlich-rechtliche Tankstellen, Kneipen, Schreiner, Reiseveranstalter,
Boutiquen, Schuster, Autohersteller, ... Nur ein paar Angelsachsen wehren
sich noch verbissen dagegen, dass dem neuen Prinzip bald die ganze Welt
gehört. Aber letztlich müssen auch sie ihre Niederlage früher
oder später einsehen. Denn wie sagte unser Kanzler so treffend: "Öffentlich-rechtlich
oder Tod!"
HENNING HELMHUSEN
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