Porno-Theater:
Alle Dämme gebrochen?
Das
Skandalstück "XXX" der katalanischen Gruppe
"La Fura dels Baus" ("Die
Kanalratten"), das im August in Hamburg aufgeführt
wurde, war offenbar der Auftakt zu einer beispiellosen Flut
pornographischer Darbietungen auf deutschen Theater- und Opernbühnen.
In
Neander Thälmanns Inszenierung von Goethes "Faust
III" kopuliert das "Gretchen-Luder" mit Mephisto,
der es faustdick in der Hose hat, in Schlingensiefs Parzifal
öffnet eine Arien-Sängerin lasziv ihre teutonischen
Beine und in Jörg Buttgereits Oper "La Belle Noiseuse"
ist außer den Strapsen einer lüsternen Nonne kein
einziger Textilfetzen zu sehen. In der neuen Soap "Statthafte
Liebe" erweisen sich lesbische Schönheiten offenherzige
Bärendienste, in André Hellers Version von "Schwanensee"
kommt es während eines Paar(ungs)tanzes zu einer akrobatischen
Osmose und in Bully Herbigs neuem Film "Bin
Baden" betätigen sich schwule Terroristen als
Nougatstecher.
Diese
Stoff-Freiheit hat eine Welle der Entrüstung entfacht.
In trauter Eintracht protestieren Alice Schwarzer, das Boulevard-Magazin
Klatschmohn und
konservative Politiker von Martin Hohmann
bis Sahra Wagenknecht gegen die aus Steuermitteln finanzierten
nackten Tatsachen.
Aber
auch die traditionelle Pornoindustrie von Beate Uhse bis Teresa
Orlowski ist alarmiert, denn sie beobachtet eine massive Kundenwanderung
weg vom Erotik-Kino hin zu subventionierten Opern. Offenbar
ist es Bestandteil moderner Kulturpolitik, Nacktheit und Darstellungen
von Geschlechtsakten aus der Schmuddelecke auf die etablierte
Bühne zu hieven.
|

Orgien
der Lust im Theaterstück "XXX"

Spreizwalküre
in C. Schlingensiefs "Parzifal"

Oper
"La Belle Noiseuse" von Buttgereit

"Sterbender Schwanz" von André Heller
|