Global
denken, beschränkt handeln
von
Marco "Che" Bummelmann
Das
Wichtigste sind immer die Zusammenhänge. Das ist wenigstens
meine Meinung. Denn ohne die Zusammenhänge verstehen
die Leute überhaupt nicht, wie die Sachen zusammenhängen
– besonders wenn es um den Neoliberalismus geht. Wieviel
da noch zu tun bleibt, sieht man vielleicht an folgender Szene
aus unserer Anti-Hedgefondsgruppe von vor einer Woche.
Um
nicht missverstanden zu werden: Ich habe das nicht mitgeschnitten,
und deshalb ist es etwas aus dem Kopf. Aber der Sinn stimmt
schon irgendwie. Es fing jedenfalls damit an, daß wir
überlegt haben, wie wir den allgegenwärtigen Neoliberalismus
anprangern können, damit die Leute überhaupt etwas
davon merken. Und wie wir aktiv werden.
Marco: Wir dürfen nicht einfach nur
rumlabern. Wir müssen was tun!
Juppes:
Aber was denn, Che? Das ist doch selbst wieder Gelaber, wenn
keiner eine Idee hat.
Marco:
Es gibt tausend Ideen!
Juppes:
Welche denn?
Marco
(entnervt): Meine Güte, ich kann doch nicht
alle für Dich herzählen!
Juppes:
Los, sag wenigstens eine.
Marco
(überlegt einen Augenblick): Halt irgendeine
medienwirksame Aktion, so dass drüber diskutiert wird.
Das entwickelt dann eine Eigendynamik, und wir können
unsere Argumente rüberbringen.
Juppes:
Und was genau?
Marco:
Auf jeden Fall etwas Großes, was gut reinzieht. Oder
willst Du hier nur im stillen Kämmerlein rumlabern?
Juppes:
Nein. Aber –
Suse
(versucht zu schlichten): Vielleicht können
wir ja etwas aus dem einen Aktionsvorschlag vom Anti-Hedgefonds-Netzwerk
machen?
Juppes:
Weiß nicht, was Du meinst. Normalerweise schreiben die
doch nur, dass wir von der Basis uns Aktionen ausdenken sollen.
Suse:
Ich mein den mit dem Boykott von "From Dusk till Dawn".
Juppes
(verwirrt): Hä? Warum das denn?
Suse:
Das ist eine bundesweite Aktion gegen den Neoliberalismus.
Juppes:
Und warum?
Marco:
Warum, warum. Die haben sich bestimmt was dabei gedacht! Das
ist doch wegen ...
Suse:
Genau. Das ist wegen … also ... (fängt an in
ihrer Handtasche zu kramen) … ich hab mir das noch
kopiert, weil ich das ganz gut fand … warte mal …
(sie sucht weiter) … ah, hier!
Juppes:
Und was steht da jetzt?
Suse: Also hier steht, dass
wir "From Dusk till Dawn" boykottieren sollen, weil
diese Salma Hayek da mitspielt.
Juppes:
Ja, und? Ich finde die eigentlich ganz sexy.
Suse
(empört): Was bist Du nur für ein Macho!
Du würdest so was nie über einen Mann sagen!
Juppes
(kleinlaut): 'Tschuldigung, sollte nur ein Witz sein.
Verstehe aber immer noch nicht, wieso wir den Film boykottieren
sollen.
Marco:
Auf welchem Stern lebst Du eigentlich? Die Hayek hat doch
das Buch "Der lange Marsch zur Knechtschaft" geschrieben.
Da geht’s drum, wie die Neoliberalen die ganze Welt
unterjochen wollen. Na, klingelt’s langsam?
Juppes:
Ich dachte, die wäre bloß Schauspielerin.
Marco:
Boah, bist Du ein Penner! Und wer Milton Friedman ist, weißt
Du wohl auch nicht?
Juppes
(in die Enge getrieben): Ich bin doch nicht doof!
Das ist der mit dem Rumkoksen und den Nutten, der zur Strafe
jetzt die Schäfer heiraten musste. – Und trotzdem
glaub ich nicht, dass die Hayek so eine Neoliberale ist. Wie
soll die überhaupt dazu kommen? Die ist doch Mexikanerin,
die besonders unter der Globalisierung leiden.
Suse:
Und als Frau, vergiss das mal bitte nicht!
Marco:
Aber darin liegt doch grade der Zynismus dieser ganzen Globalisierung.
Sogar die Opfer müssen sich zum Handlanger machen. –
Zuerst ist die Hayek nach Hollywood gelockt worden, um sich
von den Filmmultis ausbeuten zu lassen. Und dann hat sie sich
wohl an das Leben in dieser Schickeria gewöhnt und plappert
jetzt den ganzen neoliberalen Müll nach. Aber das ändert
nichts dran, dass das Müll ist. – Also ich finde
einen Boykott sehr sinnvoll.
Suse:
Ich auch. Hab den Film sowieso schon dreimal gesehen.
Juppes:
Okay, ahnte ja nicht, was dahintersteckt …
(Versonnene Pause.)
Suse: Was läuft denn sonst noch?
Marco:
Wie? Was läuft denn sonst noch?
Suse:
Was sonst im Kino läuft. Ich denke, wir wollen aktiv
werden und "From Dusk till Dawn" boykottieren.
Mehr
von Marco "Che" Bummelmann:
Krieg
ist echt uncool
Die
offene Partnerschaft und ihre Feinde
|