Burka
mit Klimaanlage
von
Henryk M. Broder
Spiel und Spaß, Erziehung und Erbauung: Wie man den
moslemischen Nationalfeiertag gestalten könnte, so daß
alle etwas davon haben und niemand zu kurz kommt.
Im
Gegensatz zu meinem Freund Michael
Miersch bin ich entschieden für die Einführung
eines moslemischen Nationalfeiertags in der Bundesrepublik.
Das Wissen um die Kultur der Anderen ist der Schlüssel
zum Verständnis der Lebensart der Anderen. Es reicht
nicht, einmal im Jahr den "Tag der Offenen Moschee"
auszurufen, es muß mehr unternommen werden, um den Moslems
Gelegenheit zur Selbstdarstellung zu geben und interessierten
Nicht-Moslems die Option, sich aus erster Hand zu informieren.
Um peinliche Debatten, die unsere moslemischen Mitbürger
nur kränken und zu unkontrollierten Reaktionen verleiten
könnten, zu vermeiden, sollte als erstes das Datum des
moslemischen Nationalfeiertages (Arbeitstitel: Trittin-Day)
festgelegt werden. Da bietet sich ganz organisch der Al-Kuds-Tag
an, der schon vor vielen Jahren von Ayatollah Khomeini eingeführt
wurde. An diesem Tag demonstrieren Moslems in aller Welt für
die Befreiung Jerusalems von der zionistischen Besatzung.
Es gibt also schon eine gewisse Tradition, auf der man aufbauen
könnte.
Eine mögliche Alternative zum Al-Kuds-Tag wäre der
Geburts- bzw. Todestag der großen Islamgelehrten Annemarie
Schimmel, die Zeit ihres Lebens die Ansicht verbreitet hat,
der Islam sei die Religion des Friedens und der Nächstenliebe.
Sobald der Tag fest steht, müßte eine Diskussion
um die Inhalte anfangen. Ich stelle mir eine Mischung aus
Tag der Offenen Tür und Info-Messe vor, nach der Art
der Anuga oder Photokina, wo einzelne Anbieter ihre Produkte
präsentieren. Mit dem Unterschied, daß nicht Waren
sondern Ideen und deren Urheber im Mittelpunkt stehen.
Da könnte es zum Beispiel einen "Shuk" geben,
mit Ständen der verschiedenen Aktionsgruppen, die den
Besuchern erklären, was sie gemeinsam haben und was sie
unterscheidet. Hamas, Jihad, die Al-Aksa-Brigaden und Hizbollah
könnten so den Vorurteilen, die über sie im Umlauf
sind, aktiv entgegen treten. Die Aufklärung könnte
im Rahmen eines Al Jazeera-Programms in die ganze Welt übertragen
werden: "Wie sie wurden, was sie sind."
Überhaupt wäre es wichtig, Klischees zu widerlegen.
Zum Beispiel, daß die Burka und der Schador nicht nur
Zeichen für die Unterdrückung der Frau, sondern
auch unbequem und unpraktisch sind, vor allem bei hohen Temperaturen
im Sommer. Man könnte Mode-Designer aus moslemischen
Ländern einladen, die neue, luftdurchlässige Stoffe
verwenden und "klimatisierte" Burkas und Schador
entwerfen, die nicht nur atmungsaktiv sondern auch sehr chick
sind. Dazu könnte es eine Modenschau mit den letzten
Modellen geben und ein Symposium "Mode als Lebenshaltung",
mit Hugo Boss, Wolfgang Joop und Karl Lagerfeld als deutschen
Teilnehmern. Und als Zeichen guten Willens könnten Claudia
Roth und Marie-Luise Beck ihre Lieblingsburkas vorführen,
wobei man diese Fashion-Show mit einer Tombola verbinden sollte:
"Who is Who?" Wer richtig tippt, unter welchem Umfang
Claudia steckt, nimmt an einer Ziehung teil: Erster Preis:
Teilnahme beim nächsten Parteitag der Grünen.
Außer Spiel und Spaß müßte es auch
ernste Bildungsangebote geben, natürlich in leichter,
unterhaltsamer Form. Nachdem das Köpfen in Verruf geraten
ist, sollte in Form einer kleinen Ausstellung daran erinnert
werden, daß noch vor kurzem die Todesstrafe in Frankreich
mit der Guillotine vollzogen wurde, was für die Delinquenten
sicher auch nicht angenehm war. Dazu ein Quiz, wie es in "Wetten,
daß..." öfter gespielt wird. Den Bildern von
Daniel Pearl, Nicolas Berg, Margret Hassan und etwa einem
Dutzend anderer kopfloser Geiseln sollten die richtigen Namen
zugeordnet werden. Wer alle Bilder und Namen richtig kombiniert,
darf bei der nächsten Amputation die Video-Kamera bedienen.
Und wer nur die Hälfte schafft, bekommt immerhin eine
Studienfahrt nach Darfur geschenkt.
Das sind natürlich alles nur erste Ideen, an denen noch
gefeilt werden müßte. Denkbar wäre es, Salman
Rushdie zu bitten, sich als Gesprächspartner von Peter
Scholl-Latour zur Verfügung zu stellen, wobei die Frage
der An- und Abreise noch geklärt werden müßte.
Schon einmal hat sich die Lufthansa geweigert, Salman Rushdie
zu befördern, man könnte ihn ja mit einer Maschine
des Kanzleramtes ein- und wieder ausfliegen – wenn es
denn dazu kommt.
Als erstes sollte ein Think Tank gebildet werden, der die
Vorschläge sammelt und bewertet. Als qualifizierte Vorsitzende
bietet sich Rita Süßmuth an, die als Wahlbeobachterin
in den USA gute Arbeit geleistet hat und derzeit leicht unterbeschäftigt
ist. Es wäre sicher auch nützlich, die Leiter der
Goethe-Institute in den moslemischen Ländern um Vorschläge
zu bitten. Unverzichtbar wäre auch die Teilnahme der
amnesty-international-Repräsentanten aus Saudi-Arabien,
Pakistan, Sudan und Nigeria. Und wenn alle Vorschläge
auf dem Tisch liegen, wenn nur noch geklärt werden muß,
ob der Bundespräsident oder der amtierende Bundesratspräsident
den Feiertag ausrufen soll, halten wir kurz inne und stellen
das ganze Projekt "on hold" – wie einen Anruf
bei der Reiseauskunft der Bundesbahn.
Und wir verlassen die Warteschleife und schreiten umgehend
zur Tat, sobald in Riad, Islamabad, Lagos oder Khartum eine
Love Parade gefeiert wurde oder der Christopher Street Day
oder ein schwul-lesbisches Straßenfest, wie sie in Berlin,
Amsterdam, Kopenhagen, sogar Zürich gefeiert werden.
Das heißt, wir führen die gute alte Regel des "quid
pro quo" wieder ein, oder wie es die Briten sagen: "tit
for tat".
Man könnte noch weiter gehen: Sobald in den moslemischen
Metropolen europäische Frauen in Jeans, T-Shirts und
kurzen Röcken ungehindert herumlaufen dürfen, heben
wir das Kopftuchverbot wieder auf.
Die Zeit der multikulturellen, einseitigen Vorleistungen ist
vorbei. Ab jetzt machen wir nur noch Geschäfte auf Gegenseitigkeit. |

Umwelt- und Islamkenner Trittin
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